Mineralien, Fossilien
Geologie im Alpstein
 

FOSSILIEN IM ALPSTEIN

Marines Leben in der Kreidezeit und im Eozän

Der Alpstein sowie dessen nähere Umgebung gelten nicht gerade als Eldorado für den Fossilien-Sammler. Sowohl in der älteren als auch in der neueren Literatur über Fossilien finden sich nur wenige Hinweise auf Fossilien oder auf Fossil-Fundstellen dieses Gebietes.

In den Werken über die Geologie des Alpsteins werden jedoch teilweise recht umfangreiche Angaben über den Fossil-Inhalt einzelner Gesteinsschichten gemacht: so in Escher von der Linth (1878) und in Heim Albert (1905). Moesch steuerte in Escher von der Linth (1878) gar ein ganzes Kapitel über Fossilien des Alpsteins bei: "Zur Palaeontologie des Sentisgebirges. Über einige neue und weniger bekannte Petrefacten aus der Kreide des Sentisgebirges."

Ammonit, Altmann-Member, Hauterivien-Barrémien, abgebildet in Moesch 1878. Foto: Thomas Schüpbach.

 

Heim Arnold (1910, 1913, 1916) führte in seiner Monographie über die Churfirsten-Mattstock-Gruppe zahlreiche Angaben über Fossil-Fundstellen auch des Alpsteins auf. Über die Geologie des Fäneren-Gebietes berichteten Heim Arnold (1923) und Rollier (1923); diese Arbeiten enthalten umfangreiche und detaillierte Fossil-Listen von zahlreichen Fundstellen in den eozänen Gesteinen dieses Gebietes. Auch in Mayer-Eymar (1890) wird auf Fossilien dieser Gegend nordöstlich von Brülisau hingewiesen.

Als neuere Arbeit mit allgemeinen Angaben über Fossilien und Fossil-Vorkommen des Säntisgebirges sei auf Bürgin und Oberli (2002) hingewiesen. Dieselben Autoren (2008) beschreiben zudem zwei Funde grösserer Ammoniten in diesem Gebiet.

Kürsteiner und Bürgin (2014) geben zahlreiche allgemeine Angaben zu Versteinerungen und gehen ausführlich auf die Fossilien und auf die Fossilvorkommen des Alpsteins ein.

Im Alpstein kann der naturkundlich interessierte Wanderer an einigen Stellen im anstehenden Gestein direkt neben dem Wanderweg verschiedene Versteinerungen bestaunen, so beispielsweise unzählige Schalen von Nerineen und Rudisten im Schrattenkalk am Weg von der Tierwis zum Säntisgipfel oder an demjenigen vom Säntisgipfel zur Wagenlücke/Meglisalp.

Im Schrattenkalk, hier direkt neben dem Wanderweg von der Tierwis zum Säntisgipfel, sind massenhaft Rudisten eingelagert. Foto: Hans Aeschlimann.

Auch in Geröllhalden kommen mancherorts Fossilien vor. Häufig handelt es sich bei Letzteren jedoch lediglich um Bruchstücke von Fossilien, welche durch die fortschreitende Erosion freigelegt und dabei mehr oder weniger stark beschädigt oder gar zerstört wurden. Überhaupt sind Versteinerungen in Schalenerhaltung im Alpstein eher selten: häufig wurde die aus Aragonit oder aus Calcit bestehende Schale des Fossils aufgelöst. Die Bestimmung solcher Versteinerungen ist deshalb meist schwierig; nicht selten sind diese gar nicht mehr bestimmbar.

 

Im Kapitel "Fossilien im Alpstein" soll nun versucht werden, eine Übersicht zu geben über die Fossilien und über die Fossil-Vorkommen des Alpsteins. Für diese Zusammenstellung werden hauptsächlich Fossilien der eigenen Sammlung, zudem aber auch solche aus öffentlichen Sammlungen und aus einigen Privatsammlungen berücksichtigt.

Der Alpstein besteht weitestgehend aus Gesteinsschichten der Kreide-Zeit. In der Gegend der Fäneren kommen zusätzlich deutlich jüngere Gesteine vor: diese wurden im Tertiär (Eozän) abgelagert. In der vorliegenden Arbeit macht es Sinn, die kretazischen Fossilien (frühe-späte Kreide, Alter 65-145 Millionen Jahre) getrennt von den tertiären Fossilien (Eozän, Alter 33-56 Millionen Jahre) zu behandeln: in den beiden Unterkapiteln "Fossilien der Kreide" sowie "Fossilien des Eozäns."

Innerhalb dieser beiden Unterkapitel werden die einzelnen Fossilien in Fossilgruppen geordnet aufgeführt. Mittels einfachen Beschreibungen und möglichst aussagekräftigen Abbildungen soll die Vielfalt der im Alpstein vorkommenden Versteinerungen aufgezeigt werden. Die gewählte Einteilung und Reihenfolge der Beschreibungen der einzelnen Fossilgruppen erfolgt in Anlehnung an Richter (1999, S. 77: Übersicht über das Tierreich). Innerhalb der Fossilgruppen sind die Beschreibungen alphabetisch geordnet.

Die Angabe der Fossil-Vorkommen beschränkt sich auf die Angabe der einzelnen Gesteinsschichten, in welcher das jeweils hier beschriebene Fundstück aufgefunden wurde. Wie bereits oben aufgeführt und hier nochmals betont, kommen aber viele Arten in mehreren Gesteinsschichten vor, worauf im Vorliegenden nicht eingegangen werden kann. Auf das Aufführen von Lokalitäten wird bewusst verzichtet, kommen doch viele der Fossilien in den einzelnen Gesteinsschichten - topografisch betrachtet - über weite Strecken vor. So verläuft beispielsweise die Kamm-Bank aus der Gegend der Tierwis Richtung Säntisgipfel über Hunderte von Metern; es würde hier keinen Sinn machen, bei jedem Fund eine neue Fundstelle zu bezeichnen.

 

Literaturverzeichnis

Bürgin Toni und Oberli Urs (2002): Von Ammoniten und versteinerten Seeigeln: Auf den Spuren kreidezeitlicher Fossilien im Alpstein. Alpstein - An- und Einsichten, Naturmuseum St.Gallen, 62-71.

Bürgin Toni und Oberli Urs (2008): Zwei besondere Ammoniten-Funde aus dem Alpstein. Zwischen Höhlenwelt und Planetensystem - Naturforschung und Naturprojekte in der Nordostschweiz. Berichte der St.Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, 87-96.

Escher von der Linth Arnold (1878): Die Sentis-Gruppe. Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz, 13. Lieferung.

Heim Albert (1905): Das Säntisgebirge. Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz, Neue Folge, 16. Lieferung.

Heim Arnold (1910, 1913, 1916): Monographie der Churfirsten-Mattstock-Gruppe. Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz, Neue Folge, 20.Lieferung, 1. Teil 1910, 2. Teil 1913, 3. Teil 1916.

Heim Arnold (1923): Der Alpenrand zwischen Appenzell und Rheintal (Fähnern-Gruppe) und das Problem der Kreide-Nummuliten. Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz, Neue Folge, 53. Lieferung.

Kürsteiner Peter und Bürgin Toni (2014): Der Alpstein und seine Fossilien. In: Büchler Hans: Der Alpstein. Natur und Kultur im Säntisgebiet. Appenzeller Verlag, Herisau, 70-77.

Mayer-Eymar Karl (1890): La faune miraculeuse du Londinien d'Appenzell. Vierteljahresschrift Naturforschende Gesellschaft Zürich 35, 167-181.

Moesch Casimir (1878): Zur Palaeontologie des Sentisgebirges. Über einige neue und weniger bekannte Petrefacten aus der Kreide des Sentisgebirges. In: Escher von der Linth 1878: Die Sentisgruppe, Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz, 13. Lieferung.

Richter Andreas E. (1999): Handbuch des Fossiliensammlers. Genehmigte Linzenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg.

Rollier Louis (1923): Supracrétacique et Nummulitique dans les Alpes suisses orientales. Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz, NF, 53. Lieferung.